Sehbeeinträchtigung verstehen und erleben 

Klasse 5 der Montessori-Gesamtschule führt Projekt zum Sehen durch 

Ralph Posingies, Lehrer der Iris-Schule (Förderschule Sehen) aus Münster unterstützt drei sehbehinderte Schüler*innen und die Lehrer*innen der Montessori-Gesamtschule Borken für einige Stunden im Schulalltag und informierte in einem vierstündigen Projekt Ende Januar die Klasse 5 zu Sehbeeinträchtigungen. Die Schüler*innen erfuhren dabei, wie das Auge und das Sehen funktioniert und erlebten, wie sich wohl das Sehen für die drei sehbehinderten Mitschüler*innen ihrer Schule anfühlt.  

Mit Hilfe eines Stationenlaufes und Simulationsbrillen erlebten die Fünftklässler unter anderem, wie es sich anfühlt, wenn man nur noch wenig oder nichts mehr sieht. Die meisten waren sehr überrascht am eigenen Leib zu erfahren wie schwierig es ist, sich mit geringer Sehfähigkeit zurecht zu finden. Auf einmal fängt man einen Ball nicht mehr, kann den Tafelanschrieb nicht mehr entziffern, erkennt Gesichter nur schemenhaft oder kann nicht mehr geradeaus sehen, was den Alltag sehbehinderter Menschen deutlich erschwert.  

Weltweit gibt es 36 Millionen blinde und 217 Millionen sehbehinderte Menschen.  Die allermeisten davon leben in den sogenannten Entwicklungsländern. Bei uns in Deutschland werden alle Menschen mit Sehbehinderungen unterstützt. Die Sehhilfen und Lesehilfen sind jedoch zum Teil so teuer, dass sich Krankenkassen oft weigern, qualitativ hochwertige und somit teure Geräte zu finanzieren. Ein Umstand, den auch die Schüler*innen der Montessori-Gesamtschule schon erlebten oder erleben. Lesegeräte, die ein unscharfes Bild auf den Monitor werfen oder reparaturanfällig sind, gehören zur Tagesordnung.

Beim abschließenden Austausch über das Projekt bemerkte Marlon „Das war total doof, dass ich dreimal den Ball nicht gefangen habe, da hatte ich keine Lust mehr mitzumachen!“ Er hatte ein kleines bisschen gespürt, was es heißen muss, etwas nicht zu können. „Da verlässt einen schnell der Mut und die Motivation“, so Ralph Posingies. Er appellierte daher auch an die Kinder, etwas mehr Geduld beim gemeinsamen Lernen und Spielen mit ihren sehbehinderten Mitschüler*innen zu haben. „Nur wenn ihr alle miteinander lernt und jeden mit seinen Behinderungen und Förderbedarfen seht und wahrnehmt, kann das Miteinander auch für euch alle gewinnbringend sein und das Lernen Spaß machen“, resümierte Bianca Tarulli, eine der Klassenlehrerinnen der Klasse 5, am Ende das Projekt.