Nachfahren der Borkener Familie Klaber besuchten Borken und vergegenwärtigten sich ihrer Familiengeschichte

Auf einer Reise durch Europa verweilten Larry und Lisa Klaber aus Chicago mit ihren drei Söhnen sowie den zwei in Köln lebenden verwandten Familien Steinebach für einige Stunden in Borken, wo sie auf die Suche nach Spuren ihrer jüdischen Familiengeschichte gingen.

Die jüngste Spur hatte 2011 noch Max, der älteste der Söhne gelegt, als er (damals 15 Jahre alt) als Gesandter seiner Familie für mehrere Tage zu Gast in der Montessori-Gesamtschule war und in dieser Zeit zusammen mit der Stadt Borken die Stolpersteine für seine Urgroßeltern Max und Regine Klaber an die Stelle des ehemaligen Betriebes und Wohnsitzes vor dem Gelände der heutigen Klöcker GmbH an der Ahauser Str. verlegte.

An diese Stelle hatten die geschäftlich sehr umtriebigen und gesellschaftlich engagierten und angesehenen Klabers 1924 ihren Betrieb samt einem neuen Wohnhaus verlegt, nachdem die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Borken eine erfolgreiche Zukunft zu verheißen schienen.

Schon in den 20 Jahren zuvor hatten sie zwischen 1902 und 1914 fünf Kinder geboren, das sechste und letzte Kind –Herbert- kam 1920 zur Welt, nachdem Max Klaber von 1914 bis 1918 viereinhalb Jahre lang freiwillig als Militärsanitäter am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte. Im öffentlichen Leben hatte sich Max Klaber bei den deutschen Turnmeisterschaften schon lange vorher als siegreicher Turner, aber auch als Erfinder einer prämierten klappbaren Sanitätsliege einen Namen gemacht. Auch in der Sanitätskolonne des Roten Kreuzes in Borken war er über viele Jahre verantwortlich engagiert; in der Synagogengemeinde in Gemen war er lange Zeit stellvertretender Vorsitzender. Auch Max Klabers Sohn, Willi Klaber, wurde ein Turner von nationalem Rang und übertraf damit noch das sportliche Engagement seines Vaters. Auch als Handballer war er in Borken aktiv und bekannt.

Nach 1933 halfen der Familie Klaber weder ihre unterschiedslose Eingliederung in die nicht-jüdische Gesellschaft am Ort, noch ihre vielfältigen Verdienste und Erfolge, noch die vielfach bis dahin erfahrene Wertschätzung. Während vier ihrer Kinder noch rechtzeitig auch unter Verwendung verwandtschaftlicher Beziehungen in die Niederlande und in die USA ausreisen und außerhalb Deutschlands nach neuen Möglichkeiten einer Existenzerhaltung suchen konnten, hofften die Eltern, die inzwischen ihres Besitzes und aller ehemaligen Beziehungen beraubt in das sogenannte Judenhaus in Borken eingewiesen worden waren, bis zu ihrer Deportation im Jahr 1942 in vollem Vertrauen auf Gott auf ein Mindestmaß an Respekt und Anerkennung ihrer Lebensleistung und den Schutz ihres Lebens.

Damit zeugen die mit Initiative der Familie verlegten Stolpersteine nicht nur von dem jäh und brutal beendeten Leben der Eheleute Klaber in Theresienstadt und Auschwitz, sondern sie zeugen auch von der Existenz zweier Menschen, die ihr Leben in beeindruckender Weise ihrer Stadt, ihrem Land und ihrer Familie gewidmet haben und damit in ihrer Zeit einen tragenden Teil der Gesellschaft gebildet haben.   

„Die Erinnerung an unsere Groß- und Urgroßeltern und ihre selbstlose Lebensleistung in Borken ist und bleibt ein wichtiger Teil unserer Familiengeschichte. Mitzuerleben, dass die Erinnerung daran auch in der Stadtgeschichte Borkens und in dem Bildungsprogramm der Schulen erhalten bleibt und mit einer Wertschätzung uns gegenüber verbunden, gelebt und weitergegeben wird, bedeutet uns sehr viel. Auf diese Weise fühlen wir uns – vielleicht ein wenig ähnlich wie einst unsere Vorfahren - Borken sehr verbunden“, resümiert der Enkel Larry Klaber den Besuch der 5 Klabers und 8 Steinebachs in Borken und in der Montessori-Gesamtschule, wo sich schnell auch einige der ehemaligen Schüler_innen einfanden, die sich 2011 mit Max an der Verlegung der Stolpersteine beteiligt hatte.