Intensive Zeit der Vorplanung und Vorbereitung - Ansprache anlässlich des 1. Spatenstiches

Ansprache anlässlich der Feier zum
symbolischen 1. Spatenstich des neuen Montessori-Kinderhauses
am Mittwoch, 28.03.2018, auf dem Grundstück Alter Kasernenring 6, Borken

 

Nach intensiver Vorplanung und Vorbereitung beginnen wir nun endlich mit dem Bau unseres neuen Montessori-Kinderhaus. So haben wir es in unsere Einladung für den heutigen Tag geschrieben.

Das Montessori-Kinderhaus kann in Borken schon eine längere Geschichte vorweisen. Bereits vor 36 Jahren im Jahr 1982 wurde das Montessori-Kinderhaus am Standort Ahauser Straße eröffnet. Im Jahr 1998 zog die Einrichtung dann zum derzeit noch aktuellen Standort am Nordring. Zwar wurde und wird an diesem Standort gute Montessori-Arbeit geleistet, aber die Lage im 2. und 3. Obergeschoss stellte von je her, besonders aber nach der Zunahme der U3-Betreuung eine besondere Herausforderung für die Erzieherinnen und Erzieher dar.

Insbesondere daher entstand im Jahr 2012 der Plan ein neues Montessori-Kinderhaus zu errichten und als attraktive und moderne Einrichtung für die zu betreuenden Kinder mit ihren Familien aber auch als Arbeitsplatz für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukunftsfähig aufzustellen.

Dieses Projekt wurde von den Vorständen des Vereins Montessori Borken e.V. als Einrichtungsträger und der Montessori-Fördergemeinschaft e.V. als Bauherrin, unterstützt durch die jeweiligen Geschäftsstellen und die Einrichtungsleitung aktiv und mit großem Engagement angegangen.

Bereits im Jahr 2013 hatten die beiden Montessori-Vereine die Idee, dieses auf dem Grundstück zu tun, auf dem wir jetzt stehen. Da sich aber zu diesem Zeitpunkt im Stadtgebiet Borken bereits eine Knappheit an Gewerbeflächen abzeichnete, akzeptierten wir den Wunsch der Stadtverwaltung Borken, alternative Standorte im Stadtgebiet ins Auge zu fassen. In vielen internen Beratungen in den Vorständen und gemeinsamen Gesprächen mit Frau Schulze Hessing, Herrn Nießing und Herrn Schlagheck wogen wir das Für und Wider verschiedener Standorte ab, um nach intensiven Beratungen doch festzustellen, dass es keinen besseren Platz für unser neues Kinderhaus gibt, als hier am Rande des Gewerbegebietes und in unmittelbarer Nachbarschaft des Naturschutzgebietes Lünsberg. Umso erfreuter waren wir, dass sich die Stadtverwaltung und auch der Stadtrat Anfang 2017 für die Errichtung einer Vier-Gruppen-Einrichtung auf dem Grundstück „Alter Kasernenring 6“ ausgesprochen haben und dies nun auch durch einen finanziellen Zuschuss aktiv unterstützen.

So konnte im Frühjahr 2017 mit den weiteren Planungen und Vorbereitungen für den Neubau begonnen werden mit dem Ergebnis, dass wir heute hier den 1. Spatenstich auf dem Grundstück feiern und zum Jahreswechsel 2018/2019 unser neues Kinderhaus beziehen können.

Intensiv war die Zeit in der Tat. Dabei sollten wir bedenken, dass dieses Projekt in den beiden Vorständen ausschließlich als Elterninitiative in privatem/ehrenamtlichem Engagement neben Beruf und Familie angegangen wurde und weiter begleitet wird. Das hat uns einiges abverlangt, an Mut, Zeit, Wissen und auch Erfahrungen und war nicht immer einfach. Baut man doch nicht regelmäßig einen Kindergarten mit einer Gesamt-Investitionssumme von rund 2,2 Millionen Euro. Dafür möchte ich allen ehemaligen und aktuell beteiligten Eltern, den Mitarbeiterinnen in den Geschäftsstellen und Marion Resing als Einrichtungsleitung herzlich danken. Auf das bevorstehende Ergebnis können wir nun alle gemeinsam stolz sein.

Intensiv war in dieser Zeit der Vorbereitung auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Borken. Das Ergebnis stellt aber hoffentlich nicht nur uns, sondern auch Sie zufrieden, bereichert das neue Kinderhaus nicht nur baulich und örtlich, sondern auch mit seiner pädagogischen Ausrichtung das vielfältige Angebot der Kindertagesbetreuung im Gebiet der Stadt Borken. Für Ihre Unterstützung bis hierhin durch die Überlassung des Grundstücks im Erbbaurecht und die Gewährung eines beachtlichen Zuschusses möchte ich Ihnen hiermit danken.

Intensiv wird die kommende Zeit für alle, die an der Errichtung und Einrichtung dieses Gebäudes beteiligt sind und sein werden. Wir wünschen Euch eine glückliche Hand, eine gute Zusammenarbeit und viel Freude bei der Umsetzung dieses Projekts.

Unser neues Montessori-Kinderhaus wird durch seine Lage im Gewerbegebiet eine betriebsnahe Kindertageseinrichtung sein. Damit wird den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus umliegenden Betrieben die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert. Durch seine Lage - etwas abseits der Ortsmitte und der Wohngebiete – aber in guter Anbindung an den Dülmener Weg, die Landwehr und die B 67 bietet es eine gute Erreichbarkeit auch für Berufspendler. Zu guter Letzt haben auch bisher überzeugte Eltern weitere Anfahrtswege in Kauf genommen, um ihre Kinder im Montessori-Kinderhaus betreuen zu lassen. Dies wird ihnen künftig zu diesem neuen Gebäude hoffentlich noch viel leichter fallen. Die unmittelbare Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet Lünsberg eröffnet gleichzeitig viele Möglichkeiten zur kosmischen Erziehung der Kinder in und mit der Natur.

Hervorzuheben ist, dass uns bei der Planung des Gebäudes und der Außenanlagen, wie auch bei der Auswahl der verwendeten Materialien neben den Grundprinzipien der Montessori-Pädagogik und pädagogischen Architektur auch Aspekte der Nachhaltigkeit geleitet haben.

Nicht nur in der Montessori-Pädagogik haben die Architektur und Gestaltung der Räumlichkeiten und Umgebung eine hohe Bedeutung für ein Kind, sich frei und eigenaktiv zu entwickeln und die entscheidenden Schritte seines seelischen und geistigen Wachstums gehen zu können.

Prof. Dr. Alfred Holzbrecher, Professor für Allgemeine Didaktik und Schulpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Breisgau, hat in einem Vortrag zum Thema „Der Raum als dritter Pädagoge“ im Juni 2012 elf Kriterien für eine „Pädagogische Architektur“ definiert. Hiervon möchte ich nur einige zitieren:

  1. Die Architektur steht im Dialog mit der Umgebung, mit der Landschaft, mit der Stadt.
  2. Die einzelnen Räume und deren Gestaltung sowie das Raumensemble spiegeln das pädagogische Profil der Institution.
  3. Die Räume unterstützen ein dynamisches pädagogisches Konzept. Sie sind in einem hohen Maße inszenierbar und können entsprechend den jeweiligen pädagogischen Notwendigkeiten bespielt werden.
  4. Die Architektur sichert Räume für überschaubare Lerngemeinschaften.
  5. Einzel-, Gruppen- und Gemeinschaftsaktivitäten finden die notwendigen Räume.
  6. Die einzelnen Räume stehen miteinander in Kommunikation und ergeben als Ganzes ein in sich logisches Gefüge.
  7. Die Bedeutung der Kommunikation zwischen den einzelnen Teilen spiegelt sich in der Gestaltung der Verbindungen.
  8. Die Art der Gestaltung und die verwendeten Materialien „wertschätzen“ den Menschen.
  9. Licht und Farbe sind als wichtige Gestaltungselemente eingesetzt. Akustik, Luft und Raumklima sind berücksichtigt.
  10. Die Räume besitzen eine eigene Identität und Individualität.
  11. Sie haben ein Ambiente das umhüllt und gleichzeitig frei lässt.

 Wir sind sicher, dass unser neues Kinderhaus viele dieser Kriterien erfüllen und damit eine ideale Grundlage zur Gestaltung einer vorbereiteten Umgebung für die Kinder im Sinne der Montessori-Pädagogik bieten wird. Wie uns das gelungen ist, wird uns unser Architekt, Herr Hetkamp, gleich anhand der Pläne zeigen.

Damit unsere Beweggründe und Ideen für den Bau dieses Hauses und auch die Prinzipien der Montessori-Pädagogik, welche aktuell und künftig im Montessori-Kinderhaus gelebt und praktiziert werden,

symbolisch in den kommenden Jahrzehnten in diesem Gebäude wirken und auch in der Zukunft nachvollzogen werden können, habe ich eine Zeitkapsel vorbereitet.

In diese habe ich neben

  • diesem Redetext,
  • eine Zusammenfassung der Montessori-Leitlinien und Prinzipien unseres Kinderhauses
  • einen Grundriss des Gebäudes
  • die heutige Ausgabe der Borkener Zeitung, sowie
  • einen Glückscent gesteckt.

Diese Zeitkapsel möchte ich nun unserem Architekten, Herrn Hetkamp, und unserem Bauunternehmer, Manfred Schöttler, übergeben mit der Bitte, sie an einer strategischen Stelle im Gebäude einzubauen.

Uns allen wünsche ich weiterhin gutes Gelingen des Bauvorhabens und eine große Vorfreude auf die Zukunft in unserem neuen Montessori-Kinderhaus.

 Annette Deelmann