Grundlagen

Profil

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Das Profil einer Tageseinrichtung für Kinder hängt im Wesentlichen davon ab, inwieweit es Pädagoginnen und Pädagogen sowie Eltern gelingt, der täglichen Arbeit in der Einrichtung, den Formen des Zusammenlebens sowie der Gestaltung der Einrichtung Unverwechselbarkeit zu verleihen.

Unser Profil basiert auf den Prinzipien

  • der Montessori-Pädagogik und
  • der integrativen Arbeit

In unserem Montessori-Kinderhaus werden in der täglichen Arbeit mit den Kindern die Ideen, Überzeugungen und Erkenntnisse der italienischen Pädagogin Maria Montessori lebendig gehalten und ihre Anregungen umgesetzt.

"Hilf mir, es selbst zu tun" ist ein Leitsatz von Maria Montessori.

Maria Montessori stellt das Kind mit seinen Lern- und Entwicklungsbedürfnissen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit und weist dem Erwachsenen die Aufgabe zu, an seiner Seite unterstützend zu wirken.

Sie entwickelte dafür spezifische Materialien, die aufeinander aufbauen, eine Fehlerkontrolle beinhalten und großen Aufforderungscharakter besitzen.

Sie entdeckte, dass Kinder in der Lage sind, sich über eine lange Zeit einer Sache hinzugeben und konzentriert zu arbeiten und dass dies für die Bildung der Persönlichkeit entscheidend ist.

Ein wichtiges Prinzip der Montessori-Pädagogik besagt:

"Erst die Tätigkeit, - dann das Begreifen mit der Hand, - und dann das Begreifen im Kopf."

Voraussetzungen

Es bedarf bestimmter Bedingungen, um den Kindern dieses Phänomen der "Polarisation der Aufmerksamkeit" immer wieder zu ermöglichen, und zwar:

  • 4Voraussetzungen
  • eine vorbereitete Umgebung
    Der Gruppenraum ist Arbeits- und Beschäftigungsraum für die Kinder. Er gestattet Bewegungsfreiheit und gibt Geborgenheit.
  • die freie Wahl der Arbeit
    Die Kinder wählen aus dem Angebot der Erfahrungsmaterialien ihre Arbeit selbst aus.
  • Zeitfreiheit
    Die Kinder arbeiten gemäß ihrer Interessen und ihrem Lerntempo in verschieden langen Arbeitsphasen.
  • die psychosomatische Einheit
    Die innere geistige Tätigkeit der Kinder verlangt stets nach körperlicher Aktivität. Sinnesentfaltung und Bewegung sind unverzichtbar für das Lernen.
  • die Rolle der Erzieherin
    Sie gestaltet die vorbereitete Umgebung, berät, hilft und leitet an, wenn es benötigt wird.Sie beobachtet und dokumentiert die Arbeit und das Verhalten des Kindes nach den neusten Richtlinien. Sie bildet sich stätig weiter.
  • die Kinder in der Gruppe
    Soziales Lernen und Leben wird vielfältig bestimmt durch die Verschiedenheit der Altersstufen, Geschlechter, Charakter und der motorischen und geistigen Entwicklung (Inklusion).
  • Freiheit und Grenzen
    Disziplin und Ordnung geben den Rahmen, in dem sich die Freiheit des Kindes verwirklichen kann.

Freie Wahl

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Das Prinzip und der Wert der Freiheit drücken sich aus, in der Freiheit der Wahl des

  • Materials und der Tätigkeit damit,
  • des Spiel- und Ansprechpartners,
  • der Lerngeschwindigkeit.

Das Kind wählt also selbständig oder mit Hilfe der Erzieherin aus dem vorhandenen Angebot sein Spiel oder seine Arbeit. Ohne Druck, in einer bestimmten Zeit mit der Tätigkeit fertig werden zu müssen, läuft die Betätigung nach eigenem Tempo ab.

Das Kind beginnt mit der Vorbereitung, indem es sich alle erforderlichen Gegenstände für sein Tun holt. Nun folgt die Phase der Vertiefung in die Tätigkeit. Diese kann je nach Kind verschieden sein - sehr intensiv und langandauernd oder kürzer und weniger konzentriert.
Wenn Kinder sich länger und wiederholt mit einer Sache beschäftigen, wird ihr Tatendrang dadurch gesättigt, sie sind erschöpft und das Interesse läuft aus. Sie sind zufrieden und stolz. Das Kind räumt nun seine gebrauchten Gegenstände fort oder sichert seine Arbeit mit seinem Namensschild, um später weiterzuarbeiten oder sich daran zu erfreuen. Es erholt sich in einer kurzen Pause, ehe es mit etwas Neuem beginnt.

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Wenn ein Kind total in seine Tätigkeit vertieft ist, so nennt Maria Montessori diesen Zustand "Polarisation der Aufmerksamkeit".
Kinder, die öfter beim Spiel oder in ihrer Arbeit gestört werden, verlieren unter Umständen diese Fähigkeit der Vertiefung in eine Tätigkeit. Wird jedoch die Konzentration eines Kindes geachtet und kann sich ein Arbeitszyklus nach dem individuellen Rhythmus eines jeden Kindes entfalten, so entwickelt es ein großes Maß an Selbständigkeit und Ausdauer.


Sensible Perioden

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In der Kinderhauszeit (etwa 2. - 6. Lebensjahr) wirken die sensiblen Phasen für:

  • Ordnung
  • Bewegung
  • Sprache
  • Sozialverhalten
  • Zahlen und Buchstaben

In dieser Altersspanne werden also die Grundlagen für Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt, die Voraussetzungen für ein späteres Leben bilden.
Maria Montessori spricht von einem grundlegenden Bedürfnis nach Ordnung, um zu einem geordneten Selbst- und Weltbild zu gelangen.
Eine weitere wichtige Entdeckung von Maria Montessori ist die Erkenntnis, dass bestimmte Lernaufgaben zum richtigen Zeitpunkt angeboten, mit einer nie mehr erreichbaren Leichtigkeit erlernt werden.

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Die Erkenntnis und Erfahrung dieser sogenannten sensiblen Phasen bemüht sich Maria Montessori für jedes einzelne Kind zu nutzen. Sie sagt, dass das Kind kein leeres Gefäß ist, das man erst füllen muss, sondern schon bestimmte Anlagen in sich trägt, die es zu entdecken, zu fördern und weiterzuentwickeln gilt. Dies geschieht zu bestimmten Zeiten, die nicht von außen beeinflussbar sind. Im Leben eines Kindes gibt es also bestimmte Phasen unterschiedlicher Lernbereitschaft.
Keine Erzieherin kann für alle Kinder der Gruppe im Voraus bestimmen, wann die Kinder bereit sind, bestimmte Dinge zu lernen, aber es besteht die Möglichkeit, dass die Kinder gemäß ihrem inneren Antrieb sich mit Gegenständen auseinandersetzen, wenn sie gerade die Bereitschaft dazu haben. Die Arbeit in unserem Montessori-Kinderhaus ist deshalb individuell organisiert.

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Die "vorbereitete Umgebung" ist eine Antwort auf die sensiblen Phasen.
Es steht eine Fülle an Materialien in unserem Haus bereit, die den Kindern die Möglichkeit geben, gemäß ihren verschiedenen Lernbereitschaften und Interessen auswählen zu können. Muss ein Kind erst suchen oder fragen bzw. wird es auf später vertröstet, so geht seine Lernbereitschaft ins Leere.
Maria Montessori nennt diese Möglichkeiten zur Beschäftigung den "Schlüssel zur Welt".


Die Arbeit des Kindes

Wenn ein Kind ausdauernd mit einem Spiel- oder Arbeitsmaterial experimentiert hat, so wird ihm von uns gezeigt, wie es damit umgehen kann.

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Natürlich können die Kinder sich dies auch gegenseitig erklären oder abschauen. Das Kind darf so lange mit dem Material arbeiten, wie es seinem individuellen Lernrhythmus entspricht. Es darf so oft wiederholen, wie es möchte. Wir greifen nur dann ein, wenn ein Kind nicht mehr sachgerecht mit dem Material umgeht.
Bei der Arbeit des Kindes ist es nicht wichtig, ob uns Erwachsenen die Tätigkeit sinnvoll erscheint. So kann ein Kind mehrmals den Tisch abwischen, auch wenn das vorher schon ein anderes Kind getan hat. Dem Kind geht es nicht unbedingt um die Sauberkeit des Tisches, sondern vielmehr um die Freude an der Bewegung und die Perfektionierung seines Bewegungsablaufes.